Neues in der Materialforschung
- Michael Handschuh

- vor 5 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
BMBF startet eine neue Förderoffensive für adaptive Systeme und PFAS-Substitution
Die Zukunft ist intelligent, anpassungsfähig und - vor allem - nachhaltig. Mit der neuen Richtlinie im Rahmen des Fachprogramms "Materialinnovationen für die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft (Mat2Twin)" setzt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR/BMBF) ein klares Zeichen.
Warum ist das für Unternehmen und Forschungseinrichtungen jetzt so wichtig? Weil wir uns mitten in einer Zeitenwende der Materialnutzung befinden.

Die zwei Säulen der Förderung
Die Ausschreibung fokussiert sich auf zwei technologische Herzkammern der modernen Industrie:
Intelligente Funktionsmateralien für adaptive Systeme
Wir reden hier nicht von passiven Werkstoffen. Gesucht werden Materialien, die auf ihre Umwelt reagieren können (Sensorik/Aktorik).
Beispiele: Materialien, die ihre Form bei Temperaturänderungen ändern, selbstheilende Oberflächen oder Werkstoffe, die Energie aus Vibrationen gewinnen.
Ziel: Die Entwicklung von Systemen, die effizienter, langlebiger und autonomer agieren.
Substitution von PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen)
Dies ist die "Green Deal" - Komponente. PFAS sind aufgrund ihrer Langlebigkeit ("Ewigkeitsmineralien") ökologisch hochproblematisch, aber technisch oft (noch) unverzichtbar.
Der Auftrag: Entwicklung von innovativen Alternativmaterialien, die die hervorragenden Eigenschaften von PFAS (wasserabweisend, hitzebeständig, chemisch resistent) bieten, ohne Umweltbelastung.
Dringlichkeit: Angesichts drohender EU-weiter Verbote ist dies für Branchen wie Textil, Medizintechnik oder Maschinenbau eine Überlebensfrage.
Das Format: Transnational & Stark vernetzt
Die Förderung ist kein deutsches "Einsiedler-Programm". Sie läuft über das ERA-NET M-ERA.NET III. Das bedeutet für Sie:
Verbundvorhaben: Sie arbeiten in einem Konsortium mit Partnern aus mindestens drei teilnehmenden Länern (z.B. Frankreich, Spanien, Polen aber auch außereuropäische Partner wie Kanada oder Taiwan).
Vorteil: Sie erhalten Zugang zu internationalem Know-how und neuen Märkten.
Die harten Fakten: Wer, wie, wann?
Kriterium | Details |
Antragsberechtigte: | Hochschulen, Forschungseinrichtungen und insbesondere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft (KMU besonders willkommen). |
Förderquote: | Unternehmen i.d.R. bis zu 50 %, Hochschulen bis zu 100 % (zzgl. Projektpauschale). |
Verfahren: | Zweistufig (Skizze > Vollantrag). |
Wichtige Frist: |
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Laufzeit: | In der Regel bis zu 36 Monate. |
Expertentipp: Worauf kommt es beim Antrag an?
In meiner täglichen Praxis als Berater sehe ich oft, dass exzellente Ideen an der Form scheitern. Für diesen Call sollten Sie drei Dinge beachten.
Industrielle Relevanz: Die Projekte müssen einen klaren Pfad zur wirtschaftlichen Verwertung aufzeigen. Rein akademische Grundlagenforschung ohne Marktbezug hat es hier schwer.
Nachhaltigkeit (LCA): Ein "Life Cycle Assessment" oder zumindest eine fundierte Abschätzung der ökologischen Vorteile (besonders bei der PFAS Substitution) ist Pflicht.
Digitalisierung: Nutzen Sie die Synergien mit der Plattform "MaterialDigital". Das Ministerium sieht es gerne, wenn Materialdaten strukturiert und interoperabel aufbereitet werden.
Wichtiger Hinweis: Da es sich um eine transnationale Ausschreibung handelt, müssen Sie sowohl die zentralen M-ERA.NET- Vorgaben als auch die spezifischen nationalen Regeln des BMBF/BMFTR eingehalten werden.
Fazit. Die Kombination aus Hochtechnologie (adaptive Systeme) und ökologischer Norwendigkeit (PFAS-Ersatz) macht diesen Call zu einer der spannendsten Chancen des Jahres 2026. Wer jetzt die richtigen Partner in Europa findet, sichert sich nicht nur Fördergelder, sondern die technologische Marktführerschaft von morgen.
Disclaimer: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder Förderberatung.
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